Ziege

Apr 13, 2021

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Bocks-Dickfuß (Cortinarius camphoratus)

Die Ziege ist ein essbares Säugetier mit Bart und außerdem einem apartem Körpergeruch. Sie liefert Milch als ihre eigene Prophylaxe gegen das Gegessenwerden. Sie ist nämlich ein kluges Tier und weiß, dass gebratene Ziegen keine Milch geben. Aus der Milch machen Menschen Käse. Den essen sie anschließend anstelle der Ziege.    

Die Ziege muss muss im Ganzen oder in einzelnen Körperteilen als Name für eine Menge Pilze herhalten:  Zum Beispiel für den Bocks-Dickfuß ↑ (Cortinarius camphoratus). Den Nadelwald-Stinker nennen die Briten Goatcheese Webcap. Übersetzt heißt das „Ziegenkäse-Schleierling“.  Foto: Wilhelm Schulz

The Gipsy und die Ziege

Weshalb Christian Hendrik Person den → Reifpilz (Cortinarius caperatus) nach einer Ziege benannt hat, geht aus seiner Originaldiagnose von 1796 nicht hervor. Jedenfalls riecht der Pilz gut. Er ist auch ein beliebter Speisepilz und hat dementsprechend viele Volksnamen. Bei uns heißt er Geschundener Reifpilz, Reifpilz, Runzelschüppling, Scheiden-Runzling, Schulmeisterpilz, Hühnerkoppe sowie Zigeuner. Den Letztgenannten Namen sollte man heute allerdings tunlichst nicht mehr verwenden, wenn man sich politisch korrekt ausquetschen möchte. Das ist aber nur bei Deutschmichels so. Von den Briten wird er nach wie vor „The Gipsy“ genannt. 

Die Rumänen halten für ihn den Namen Scufiţa caprei bereit. Das bedeutet Ziegenkappe oder Ziegenkäppchen. Sie sind auch die einzigen, die den lateinischen Adam übersetzen und die Ziege beim Namen nennen. Zigeuner wäre auch blöd in diesem speziellen Fall.

 → Foto: Wilhelm Schulz

Reifpilz (Cortinarius caperatus)

Wie erwähnt muss die Ziege im Ganzen oder in einzelnen Körperteilen als Name für eine Menge Pilze herhalten: Für die Ziegenlippe und den Ziegenfußporling (Scutiger pes-caprae). Ziegenbart wird sowohl für Korallen (Ramaria s.l.) als auch für die Krause Glucke (Sparassis crispa) verwendet. In Spanien hält man Barba de Cabra, mithin auch ein Ziegenbart, für den Igel-Stachelbart bereit. Beim Weinroten Schneckling (Hygrophorus capreolarius) und beim Spitzhütigen Wiesenritterling (Porpoloma pescaprae) ist die Ziege bzw. ihr Fuß sogar schon im lateinischen Artnamen festgezurrt.  Im Französischen werden für den Semmelstoppelpilz (Hydnum repandum) außer dem Bart der Ziege (Barbe de chèvre) noch Kuh,  Schaf,  Katze und  Bär bemüht.

Begriffe:
camphoratus (a, um, lat.): nach Kampfer riechend. Gevatter Elias Fries sprach in seiner lateinischen Diagnose von 1821 aber mitnichten davon, dass der Pilz nach Kampfer riecht. Vielmehr sagte er, dass sich der Geruch und der Geschmack von dem aller anderen Pilze unterscheidet.
capra (lat.): Ziege
pescaprae (lat): Ziegenfuß, von capra = Ziege und pes = Fuß

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