Hund (canis), dog, chien, koira, koer, kutya

Apr 3, 2021

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Rostbrauner Dickfuß (Cortinarius caninus)

In der Botanik wird der Hund oft herangezogen, um etwas Minderwertiges zu bezeichnen. So etwa Hundskamille, Hundsveilchen oder Hundsrose. Somit grenzt man es gegen etwas Edles ab, zum Beispiel gegen die Edelrose, die Echte Kamille etc. Das ist bei den Pilzen übrigens ähnlich. Nur gibt es „Hundspilze“ wesentlich seltener als Hundspflanzen. Zusätzlich sind diese weniger geläufig. Hier ↑ der Rostbraune Dickfuß (Cortinarius caninus).

Hundsruten

Einer der bekanntesten Pilze in diesem Zusammenhang dürfte die → Hundsrute (Mutinus caninus) sein. Sie ist nebenbei mit der Stinkmorchel (Phallus impudicus) verwandt.
Früher hatte man die beiden Gattungen nicht unterschieden. Daher ist eines der Synonyme der Hundsrute Phallus mutinus. Von der Hundsrute sind im Lauf der Zeit zahlreiche Varietäten und Formen beschrieben worden. Eine davon heißt Phallus caninus var. felina, was mit Katzen-Hundsrute zu übersetzen ist.

 

Die Gattung Mutinus
unterscheidet sich von der Gattung Phallus durch einen rötlich pigmentierten, rundzelligen Schaft. Im Gegensatz dazu besteht das der echten Stinkmorcheln aus weißen Hyphen. 
Hier die seltene → Himbeerrote Hundsrute (Mutinus ravenelii). Foto: Frank Röger

Wer im Wald Hexeneier von Hundsruten findet, kann sie zu Hause „ausbrüten“. Einfach in eine feuchte Kammer damit und abwarten. Es dauert Stunden – oft über Nacht – bis wenige Tage, bis aus den Hexeneiern die Hundsruten schlüpfen. Das obere der beiden Fotos zeigt eine solche Kollektion. Im Vergleich zur Stinkmorchel riechen diese zudem entschieden besser.

Hundsrute (Mutinus caninus)
Himbeerrote Hundsrute (Mutinus ravenelii)

Noch drei weitere Beispiele
In England werden Zigarettenkippen Dogends genannt. Das Ledergelbe Pustelkeulchen (Podostroma alutaceum), hat dort wegen seiner Ähnlichkeit mit Kippen ebenfalls den Namen Dogends erhalten.

Der Blaßgelbe Flämmling (Gymnopilus flavus) wird in Norwegen Hundegrasbittersopp genannt. Der seltene Braunsporer wächst nämlich an Büscheln von Knäuelgras (Dactylis glomerata). Dieses wird in den skandinavischen Ländern als Hundegras bezeichnet. Die Briten indes haben für dieses häufige Gras den Namen Cocksfoot (Hahnenfuß) reserviert. Den wiederum verwenden wir für Butterblumen der Gattung Ranunculus. Andere Länder andere Sitten… 

Eine Flechte noch zum Schluss – denn das sind ja schließlich auch Pilze.
Die Hundsflechte (Peltigera canina) wird in Dänemark Hundeskjoldlav genannt. Das heißt übersetzt Hunde-Schildflechte.
Das handhabt man in den meisten anderen Ländern vergleichbar. Man übersetzt einfach den botanischen Namen. Warum Carl von Linné 1753 die Schildflechte Lichen caninus genannt hat, geht aus seinem Species Plantarum allerdings nicht hervor. Er vermerkt nur, dass sie giftig ist. Es mag daher sein, dass die verbreitete und massereiche Hundsflechte im Gegensatz zur Rentierflechte zu nichts zu gebrauchen ist. Ein Hundsgewächs eben. Die Rentierflechte (Cladonia rangiferinafindet in Skandinavien vielfach als Färbemittel Verwendung. Auch als Winternahrung für Rentiere. Notfalls sogar als Nahrungsmittel für Zweibeiner.

Begriffserklärung
caninus (a, um, lat): zum Hund gehörend, von canis = Hund.

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