Magerwiese

Mrz 28, 2021

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Kirschroter Saftling (Hygrocybe coccinea)

Magerwiesen sind baumlose und empfindliche Pflanzengesellschaften. Sie stickstoffarm und dazu im höchsten Maß gefährdet. Ihr Inventar an Tier- und Pflanzenarten beträgt ein Vielfaches dessen, was in anderem Grasland nachgewiesen werden kann. Pilzfreunde nennen sie auch Saftlingswiesen.

Saftlinge werden als Juwelen des Pilzreiches bezeichnet.  Hier ↑ der Kirschrote Saftling (Hygrocybe coccinea)

Saftlinge stehen ausnahmslos unter Naturschutz,
viele sogar auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pilzarten.

Ähnlich schutzbedürftig sind die Rötlinge, die man in diesen Wiesen finden kann.
Hier 
→ der Blaue Rötling (Entoloma chalybaeum var. lazulinum) und direkt darunter der Stinkende Samtschnecklimg (Hodophilus foetens)

Saftlingswiesen sind Trockenrasen.
Ihnen gemeinsam ist eine offene, stickstoffarme, trockene oder halbtrockene und dazu sehr wasserdurchlässige Graslandschaft. Der Boden kann sauer, neutral oder auch kalkhaltig sein.
Es ist bisher nicht gelungen, aus Sporen von Saftlingen Reinkulturen zu gewinnen oder auch nur Gewebekulturen zu erhalten. Dies deutet darauf hin, daß Saftlinge ganz spezifische Ernährungsansprüche oder Bedarf an bislang unbekannten Faktoren haben.

Es bleibt zu hoffen, daß diese offenen Fragen beantwortet werden, bevor der letzte Saftling einer Verbuschung oder einer Intensiv-Düngung zum Opfer gefallen ist.

Entoloma_chalybaeum_4
Stinkender Samtschneckling (Hodophilus foetens

Durch ein grundsätzlich entgegengerichtetes Gefährdungspotential sind diese Biotope stark bedroht:

1. Durch Eingriffe des Menschen
2. Durch das Nichteingreifen.
Dieses scheinbare Paradoxon soll nachstehend näher erläutert werden.

 Das gilt noch mehr 1. Saftlingswiesen sind ausgesprochen nährstoffarm. Eine Düngung oder eine intensive Beweidung durch Großtiere wie Rinder würde allen Saftlingen die Existenzgrundlage auf Jahrzehnte oder für immer entziehen.  Das gilt erst recht für eine intensive landwirtschaftliche Nutzung unter Verwendung von Kunstdünger.

2. Das Nichteingreifen würde bewirken, dass sich strauchige Pflanzen etablieren könnten. Die Wiese würde dann im Laufe der Zeitz verbuschen. Danach würde sie sich allmählich zu einem natürlich entstandenen Wald entwickeln. In dem können die meisten Saftlinge nicht existieren.
Es gilt hier also, einen Erhaltungszustand zu bewahren, um den stickstoff- und schattenmeidenden Saftlingen eine Überlebenschance zu bieten.

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