Leder

Mrz 27, 2021

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Stinkende Lederkoralle (Thelephora palmata)

Es gibt eine große Anzahl von Pilzen, die Konsistenz, Farbe oder Geruch von Leder haben. Viele von Ihnen haben auch entsprechende Namen. Darauf  kommen wir noch zurück.

Hier die ↑ Stinkende Lederkoralle (Thelephora palmata). Sie ist ledrig-zäh und wächst bei Fichten auf sauren Böden.

Anthropodermic bibliopegy.

Dafür gibt es leider noch kein griffiges deutsches Wort.
Anthropodermic bibliopegy bezeichnet die Praxis, Bücher mit  einem Einband aus menschlicher Haut zu versehen.
So etwa soll der Einband des ersten Exemplares der französischen Verfassung vom 14.9.1791 aus der gegerbten Haut der während der französischen Revolution hingerichteten Adligen bestehen.
Mit Stand Mai 2019 hat das „Anthropodermic Book Project“ 31 von 50 Büchern in öffentlichen Bibliotheken untersucht. Die sollen angeblich Einbände aus Menschenleder haben.  18 dieser Einbände wurden als menschlich bestätigt. Die übrigen 13 bestanden stattdessen nachweislich aus Tierleder.

Anthropodermic bibliopegy

Die nachfolgend vorgetragenen Gedanken fand und finde ich ziemlich sexy.

Aber sie in der Praxis zu äußern hat mir bis dato nicht nur Sympathien eingebracht 😉

Mir gefällt jedenfalls die Vorstellung, dass meine Herren Söhne mein jüngstes Buch „Cook mal Pilze!“ einst nach meinem Ableben in meine eigene Haut einbinden lassen. Das finde ich allemal entschieden erstrebenswerter, als im hölzernen oder pappenen Endmöbel von Springschwänzen und Drahtwürmern zernagt zu werden. *Schrapp schrapp schrapp*…

Meine häutige Hülle sollte auf jeden Fall für einen Einband reichen. Für 26 Jahrgänge Tintling könnte es allerdings knapp werden.
Letzteres sehen die Söhne  indessen anders. Sie sind der Meinung, dass das Material bei haushälterischer Verwendung dafür durchaus genügen müsste.
Der Rest (Fleisch, Knochen und Gekröse) könnte später als Asche in die Schweiz verfrachtet werden. Dort kann man sich einen Erinnerungsdiamanten davon pressen lassen.
Den müsste die respektlose Brut per Vermächtnis wenigstens stundenweise um den Hals tragen. Erst damit würde sie in den Genuss des frugalen Erbes in Form einer Pilzbücherei kommen können.

Den Überrest dann bitteschön in eine Mini-Urne aus gebackenem Myzel*. Danach ab damit in den Ruheforst. 

* mehr dazu in Tintling 131

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