Amatoxine

Apr 4, 2021

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Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides)

Amatoxine sind die hauptsächlich wirksamen Gifte in Knollenblätterpilzen. Zum Beispiel im   Grünen Knollenblätterpilz (Amanita phalloides)  sowie seinen beiden Nachbararten A. virosa und A. verna. Diese Gifte sind aber auch in diversen Schirmlingen (Lepiota), Häublingen (Galerina), Samthäubchen (Conocybe) und Glockenschüpplingen (Pholiotina) enthalten.

Schirmlinge mit Amanitin

Der Fleischrosa Schirmling (Lepiota subincarnata→ enthält ebenfalls Amatoxine.  In England wird dieser Pilz, seiner Giftigkeit wegen, „Fatal Dapperling“ genannt.
Genauso giftig, da Amanitin-haltig und damit eine Knollenblätterpilzvergiftung auslösend,
ist der Bräunliche Schirmling (Lepiota pseudolilacea, Syn. L. pseudohelveola).
Amatoxine sind deswegen so gefährlich, weil sie die Leber zerstören. Oft hilft nur eine Organtransplantation.
Ein Gegenmittel ist Silibinin. Das ist ein Wirkstoff, der aus den Früchten der Mariendistel gewonnen wird.

Grundsätzlich sind Schirmlinge für die Küche zu meiden. Es gibt keine essbaren Vertreter in dieser Gattung.

Merkmale der Schirmlinge (Lepiota):

Kleine bis mittelgroße Pilze mit Velum in Form eines Ringes. Dieser ist nie verschieblich; Lamellen weiß oder cremeweißlich, frei; Sporenpulver weiß, dextrinoid; Sporen ellipsoid, spindelig oder mit einem seitlichen Sporn, ohne Keimporus.

Schirmlinge leben saprobiontisch auf der  Erde, gerne an feuchten und humosen Stellen.

Fleischrosa Schirmling (Lepiota subincarnata)

Die Wirkungsweise der Amatoxine

Amatoxine blockieren die Transkription von RNA-Polymerasen. Das führt zum Ausfall der mRNA-Synthese. Die Folge ist, dass dem Zellkern keine genetische Information mehr in das Zellplasma gelangen kann. Dort findet aber die Proteinbiosynthese statt. Wegen der vielfältigen Funktionen der unterschiedlichen Proteine sind zahlreiche Prozesse des Organismus betroffen:
• Es werden keine Enzyme mehr gebildet. Die von ihnen katalysierten Stoffwechselprozesse kommen zum Erliegen.
• Strukturproteine werden nicht mehr ersetzt.
• Hormone tragen nicht mehr zur Steuerung von Stoffwechselvorgängen bei.
• Membranrezeptoren werden nicht nachgebildet.

Bei einer Vergiftung durch Knollenblätterpilze kommt es zunächst zu Erbrechen und Durchfall. 

Auslöser dafür ist die Schädigung der Epithelzellen des Darmes.
Danach gelangen die Toxine ins Blut und werden im Körper verteilt.  Sie werden von den Zellen aufgenommen und an RNA-Polymerase-Komplexe im Zellkern gebunden. Die Folgen sind irreparable Zellschädigungen.
Bei hinreichend hoher Dosis kommt es  zu einem Leberversagen. Als tödliche Dosis gelten 40 – 100 Gramm Frischpilz pro erwachsener Person.

Die langsame und anhaltende toxische Wirkung der Amatoxine wird durch den innerkörperlichen Kreislauf verstärkt. Das Amanitin zirkuliert zwischen Leber, Gallenblase und Darm und verbleibt so länger im Körper.

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